Lebensraum Leugene
Wildtierkorridor

Wildtierkorridor

Mobilität ist für Wildtiere überlebenswichtig. Manche Arten wechseln saisonal vom Sommer- in den Winterlebensraum und andere pendeln zwischen Ruheplatz, Weidegrund oder Jagdrevier. Auch Jungtiere begeben sich auf Wanderschaft, wenn sie eine neue Heimat suchen müssen.
Von besonderer Bedeutung sind dabei die überregionalen Routen, welche den Tieren auch Fernwanderungen ermöglichen. So benutzen beispielsweise die Wildschweine für ihre Wanderungen durch die Schweiz seit Generationen stets dieselben Korridore. Wo diese «Verkehrswege der Wildtiere» an diejenigen der Menschen stossen, kommt es immer wieder zu Kollisionen.

Wildschwein

Wildschwein

Wildschweine (Sus scrofa) sind sehr intelligente und ausgesprochen soziale Tiere. Die Muttertiere (Bachen) leben mit ihren Frischlingen sowie den älteren Töchtern in so genannten Rotten. Die männlichen Tiere (Keiler) leben als Einzelgänger.
Aufgrund von zahlreichen Störungen in dicht besiedeltem Gebiet wurden die ehemals tagaktiven Tiere nachtaktiv. Oft lässt sich nur an ihren Spuren erkennen, dass hier Wildschweine leben.
Wildschweine sind zwar vorsichtig, aber auch mutig: Bei Gefahr versuchen sie zunächst einmal deren Ursache festzustellen, bevor sie die Flucht ergreifen.

Zahnd, Bild: FotoNatur
Passage

Wildtierpassage

Eine Wildtierpassage ist eine tierfreundlich gestaltete Überführung, welche mit Naturboden bedeckt, vielfältig bepflanzt und reich strukturiert wird. Bei der Gestaltung der Wildtierpassage «Stöck» wurde primär auf die Ansprüche der Wildschweine geachtet. Der künstliche Wildwechsel wird aber ebenfalls von Rehen, Dachsen, Mardern und Füchsen genutzt. Damit auch Amphibien günstige Bedingungen für ihre Wanderungen vorfinden, wurde auf der Brücke ein Tümpel angelegt.
Von grosser Bedeutung sind die Windschutzstreifen quer durch das Tal der Leugene, sie weisen den Tieren den Weg und bieten Deckung.

Zahnd, Bild: Tiefbauamt Kanton Bern
Korridor

Bedeutung des Wildtierkorridors

Beim Wildtierkorridor quer durch das Tal der Leugene handelt es sich um einen traditionellen Fernwechsel von überregionaler Bedeutung. Er ist die einzige Vernetzungsachse für grössere Wildsäuger vom Jura in das Mittelland zwischen Le Landeron im Südwesten und Niederbipp im Nordosten.
Gegenwärtig ist der Wildtierkorridor insbesondere für das Wildschwein von grosser Bedeutung, selbstverständlich aber auch für das Rehwild. In absehbarer Zukunft wird wahrscheinlich der Rothirsch diese Wanderroute ebenfalls nutzen.

Zahnd
Autobahn

Autobahn

Die Zerschneidung der natürlichen Lebensräume und der Landschaft ist der wichtigste Faktor für die abnehmende Artenvielfalt in der Schweiz.
Für praktisch alle Wildtiere stellt eine Autobahn eine unüberwindbare Barriere dar. An vielen Orten sind zwar Über- und Unterführungen vorhanden. Diese werden aber höchstens von Füchsen oder Mardern benutzt. Rehe, Wildschweine und andere Wildtiere trauen sich weder auf eine schmale Brücke noch in einen Tunnel.
Wildtierpassagen können verhindern, dass der «Vierbeiner-Verkehr» zum Erliegen kommt.

Zahnd, Bild: B. Aeschbacher